Nachruf auf Volker Zumpe

Bereits am 25. Juni 2024 verstarb im Alter von 90 Jahren unser SPI Mitglied Volker Zumpe. Er war eine prägende Persönlichkeit und viele Jahre Vorstandsmitglied und -vorsitzender des Vereins Sozialpsychiatrische Initiative e. V. Deshalb möchten wir ihn auf diesem Wege besonders würdigen.

Volker Zumpe war bis zu seinem Ruhestand als leitender Dipl. Psychologe in der LWL-Klinik Paderborn tätig. Während dieser Zeit wurde er Mitglied beim SPI Paderborn e. V., damals noch Sozialpsychiatrische Initiative Paderborn e. V.

Sein berufliches Handeln war besonders geprägt von seinem humanistischen Menschenbild und seinem sozialpsychiatrischen Denken. Volker Zumpe zählte zu den Wegbereitern der gemeindepsychiatrischen Entwicklung in Deutschland. Freigestellt von seiner damaligen beruflichen Tätigkeit als Diplom Psychologe im Landeskrankenhaus Gütersloh, nahm er Anfang der 70er Jahre als maßgeblicher Mitarbeiter der Psychiatrie-Enquete die Tätigkeit als Geschäftsführer der Enquete-Kommission in Bonn auf, um die gewaltigen Aufgaben der Reformpsychiatrie zu steuern und zu gestalten. In dieser Funktion trug er entscheidend dazu bei, die damals oft menschenunwürdigen Zustände in psychiatrischen Anstalten zu erfassen und aufzuarbeiten. Aus dem „Enquete-Bericht über die Lage der Psychiatrie in der Bundesrepublik Deutschland“ folgten die Forderungen, das System der psychiatrischen Versorgung nachhaltig in das bestehende System der Gesundheitsfürsorge zu integrieren und damit Menschen mit somatischen und psychischen Erkrankungen gleichzustellen. Der Kerngedanke der Sozialpsychiatrie war dabei, psychisch kranke Menschen und Menschen mit psychischen Behinderungen am sozialen Leben teilhaben zu lassen bzw. sie in den Alltag zurückzuholen. Hierbei hatte Volker Zumpe maßgeblichen Anteil.

Später engagierte Volker Zumpe sich zusammen mit dem bekannten Sozialpsychiater Alexander Veltin langjährig im Reha Verein (Verein für die Rehabilitation psychisch Kranker) in Mönchengladbach, einem Pionierprojekt für die soziale Wiedereingliederung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. 

Bereits im Jahr 1971 publizierte er mit Helmut Krüger und Alexander Veltin das Buch „Gruppenarbeit in der Psychiatrie“, das sich mit dem Modell der „Therapeutischen Gemeinschaft“ befasst. Die Botschaft darin ist: Patient*innen sind nicht nur passiv Behandelte, sondern aktiv am Klinikalltag und an den Entscheidungsprozessen bei ihrer Behandlung beteiligt. Weitere Inhalte des Buches sind auch eine offene, partnerschaftliche Kommunikation zwischen Patient*innen und Behandler*innen sowie „Gruppenarbeit als Feld für soziales Lernen“. Das Buch gilt als wichtiges Zeitzeugnis der Psychiatrie-Enquete-Ära. 

Geprägt war Volker Zumpe auch von der Psychopathologie und Existenzphilosophie des Philosophen Karl Jaspers, auf der er seine sozialpsychiatrische Haltung aufbaute und weiterentwickelte. Für eine große Kunstausstellung am 9. Juni 1990 von Bildern psychisch Kranker in der Volksbank Paderborn hatte er zur Vernissage der Kunstausstellung „Projektionen – Impressionen“ im Rahmen der „Tage der Psychiatrie“ Texte von Karl Jaspers zusammengestellt, die von Schauspielern der Paderborner Kammerspiele vorgetragen wurden. Für die Besucher war dies eine ungewöhnliche und beeindruckende Performance.

Menschen mit psychischen Erkrankungen nicht länger zu isolieren, sondern sie zu befähigen, wieder am Arbeitsleben und am Leben in der Gemeinschaft (Soziale Teilhabe) teilzunehmen, war auch die Grundlage für die Gründung des Vereins „Sozialpsychiatrische Initiative Paderborn e. V.“ (heute SPI Paderborn e. V.) im Jahre 1981. 

Mit seinem beruflichen Wechsel nach Paderborn interessierte Volker Zumpe sich gleich für unsere Organisation, die immer eng mit der LWL-Klinik Paderborn zusammenarbeitete. Vor dem Hintergrund seines sozialpsychiatrischen Verständnisses war es für ihn logisch und konsequent, Mitglied des SPI Paderborn e. V. zu werden, zumal der seelisch bedürftige Mensch immer Mittelpunkt seines beruflichen Denkens und Handelns war. 

Wegen seines umfangreichen fachlichen und humanistischen Wissens, seiner Menschenkenntnis, seines kritischen Hinterfragens fachlicher und politischer Zusammenhänge, aber auch wegen seiner Besonnenheit, Sensibilität und Empathie wurde Volker Zumpe von allen Mitgliedern und Mitarbeiter*innen des SPI Paderborn e.V. überaus geschätzt und verehrt. Er setzte während seiner aktiven Zeit im Vorstand des SPI bahnbrechende Impulse für die Weiterentwicklung der Organisation und blieb auch über die Zeit seiner Vorstandstätigkeit ein gefragter Ansprechpartner für schwierige und kritische Themen bei der Weiterentwicklung des SPI Paderborn e. V.

Nach seinem Umzug nach Weingarten blieb Volker Zumpe bis zu seinem Tod dem SPI Paderborn e. V. eng verbunden. 

Volker Zumpe wird immer mit der Geschichte des SPI Paderborn e. V. tief verwurzelt bleiben.

Johannes Tack                                               Sylvia Polte, Horst Goldscheck                            

Aufsichtsrat SPI Paderborn e.V.                    Vorstand SPI Paderborn e.V.