Sprüh vor Protest

 

Vom 8. bis 10. Mai 2026 wurde der Graffitistern an den Paderwiesen in Paderborn im Rahmen des Inklusionswochenendes in Paderborn zu einem außergewöhnlichen Ort gelebter Inklusion, kreativer Teilhabe und gesellschaftlicher Sichtbarkeit. Unter dem Motto „Sprüh vor Protest“ verwandelten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern den öffentlichen Raum in eine sichtbare Botschaft für Teilhabe, Respekt und Gleichberechtigung. 

An drei intensiven Tagen entstanden drei großformatige Kunstwerke, die nicht nur den Graffitistern nachhaltig prägen, sondern auch zahlreiche Gespräche in der Öffentlichkeit ausgelöst haben. Viele Passantinnen und Passanten blieben stehen, stellten Fragen, fotografierten die Werke oder kamen mit den Beteiligten direkt ins Gespräch. Immer wieder war Staunen über die Offenheit, die Kreativität und die starken Botschaften der Aktion zu spüren. 

Jan Bargfrede, 1. Vorsitzender Paderborner Kreaturen e.V. zeigte sich bewegt von der Resonanz und der Wirkung des Projekts: 

„Viele Menschen sind stehen geblieben, haben gefragt, gestaunt und das Gespräch gesucht. Genau das wollten wir erreichen – Sichtbarkeit schaffen und Begegnung ermöglichen. Wir hoffen sehr, dass die drei neuen Kunstwerke am Graffitistern noch lange erhalten bleiben.“ 

Im Mittelpunkt der Aktion stand vor allem der gemeinsame kreative Prozess. Teilnehmende aus unterschiedlichen Programmen des Gesamtvereins SPI Paderborn e.V. konnten aktiv an den Workshops und der Gestaltung der Kunstwerke mitwirken. Für viele war es die erste Erfahrung mit Graffiti-Kunst und öffentlicher kreativer Arbeit. 

Bartholomäus Rymek des SPI Paderborn e.V. betonte besonders die persönliche Entwicklung vieler Beteiligter während der Aktion: 

„Die Teilnehmenden haben Neues gelernt, sich ausprobiert und ihrer eigenen Stimme ein Bild gegeben. Viele haben sich getraut, sichtbar zu werden und ihre Gedanken mitten in die Öffentlichkeit zu tragen.“ 

Gerade dieser Mut habe die Aktion so besonders gemacht. In vorbereitenden Workshops entstanden persönliche Entwürfe und Botschaften zu Themen wie Ausgrenzung, fehlender Barrierefreiheit, Diskriminierung und gesellschaftlicher Unsichtbarkeit. Gemeinsam mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern wurden daraus sichtbare Werke im öffentlichen Raum. 

Begleitet wurde das Projekt von regionalen Kunstschaffenden, die ihre Erfahrungen und Techniken einbrachten und gemeinsam mit den Teilnehmenden an den Graffiti-Arbeiten arbeiteten. Dabei entstand nicht nur Kunst, sondern auch Begegnung, Austausch und ein neues Selbstbewusstsein vieler Beteiligter. 

Besonders der offene Mitmachworkshop zog zahlreiche Interessierte an. Besucherinnen und Besucher konnten selbst erste Graffiti-Techniken ausprobieren, Fragen stellen oder spontan kreativ mitwirken. Der Graffitistern wurde dadurch zeitweise zu einem offenen Begegnungsort, an dem Menschen unterschiedlichster Hintergründe miteinander ins Gespräch kamen. 

Die drei neuen Kunstwerke stehen nun dauerhaft als sichtbares Zeichen für Inklusion und Teilhabe an den Paderwiesen. Sie erinnern daran, dass Menschen mit Behinderung nicht übersehen werden dürfen und dass gesellschaftliche Teilhabe aktiv gestaltet werden muss – sichtbar, mutig und mitten in der Stadt. 

Die Aktion „Sprüh vor Protest“ wurde im Rahmen des bundesweiten Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen umgesetzt und durch Aktion Mensch gefördert. Organisiert wurde das Projekt vom Paderborner Kreaturen e.V. gemeinsam mit zahlreichen Unterstützenden aus der Region.